4 Gründe für unscharfe Kinderfotos in der Wohnung (+ die Lösung)

Die 4 häufigsten Gründe, warum Deine Kinderbilder mit Deiner Kamera unscharf werden und was Du dagegen tun kannst.

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Du möchtest zu Hause einen einzigartigen Alltagsmoment mit Deinem Kind festhalten, vertraust auf die schlaue Automatik Deiner Kamera und dann das: Dein Foto ist nur ein matter Abklatsch der Realität und unscharf ist es auch noch! Du schaust Dir die Kamera an und fragst Dich, woran das liegt. Die Kamera hat eine ganze Stange Geld gekostet, also warum klappt das nicht?

Weil die Kamera nicht weiß, was Du möchtest. Du musst es ihr “sagen”!

Schritt Nr. 1

Der erste wichtige Schritt ist, dass Du verstehst, wie Deine Kamera funktioniert. Du hältst ein grandioses technisches Gerät in den Händen, mit dem Du fantastische Aufnahmen machen kannst. Wenn Du mit Deiner Kamera nur im Vollautomatik-Modus fotografierst, nutzt Du lediglich 10% ihres Potentials. Das ist so, als wenn Du mit einem Porsche immer nur 25 km/h fährst.

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Du brauchst jetzt keine komplizierten Technik-Handbücher zu wälzen. Es reicht, ein paar Grundlagen zu verstehen. Dazu gleich mehr.

Schritt Nr. 2

Der zweite Schritt ist, dass Du verstehst, dass wir für scharfe, klare Kinderbilder Licht brauchen. So viel wie möglich.

Im Grunde hat Deine Kamera nur ein Ziel:

Sie möchte ein richtig belichtetes Foto erstellen. Und das gelingt ihr, indem sie die 3 Komponenten ISO, Blende und Verschlusszeit aufeinander abstimmt. Und hier kommst Du ins Spiel. Du kannst Deiner Kamera sagen, wie genau die Kombination aus ISO, Blende und Zeit aussehen soll. Damit das Foto so aussieht, wie Du Dir das vorstellst. Das ist besonders bei wenig Licht ganz wichtig!


BLENDE UND ZEIT IN 1 MINUTE ERKLÄRT


Jetzt kommen wir zu den Grundlagen. Kurz und knapp. Diese sind wichtig, damit Du die 4 Gründe für unscharfe Kinderfotos verstehst und sie in Zukunft vermeiden kannst.

Wir wissen, dass die Kamera mit ISO, Blende und Zeit regelt, wieviel Licht in die Kamera - und somit auf das Foto - kommt. Genau genommen kommt das Licht durch Dein Objektiv in die Kamera. Das Objektiv wird aber durch die Technik der Kamera gesteuert sozusagen. Im Objektiv befinden sich Lamellen und diese Lamellen meinen wir, wenn wir von Blende und Verschlusszeit reden.

 © unsplash.com

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Mit der Blende bestimmt die Kamera, wie weit sich diese Lamellen öffnen bzw. schließen. Das ist wie bei der Pupille im Auge. Wenn die Sonne scheint, sind Deine Pupillen ganz klein und lassen wenig Licht ins Auge. So ist das auch bei der Blende. Wenn es sehr hell ist, entscheidet sich die Kamera im Automatik-Modus in der Regel für eine kleine Blendenöffnung und wenn es dunkel ist, für eine große Blendenöffnung, um möglichst viel Licht in die Kamera zu lassen.

Wir können aber nicht nur die Größe der Öffnung im Objektiv (= Blende) bestimmen, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sich diese Lamellen im Objektiv auseinander- und zusammenschieben. Und das nennt man Verschlusszeit bzw. Belichtungszeit.

Ist es sehr dunkel, wird sich die Kamera im Automatik-Modus für eine langsame Verschlusszeit entscheiden, um möglichst viel von dem wenigen vorhandenen Licht für das Foto zu haben. Ist es zu hell, ist es genau umgekehrt.

Was das für Dein Kinderfoto bei schlechten Lichtverhältnissen bedeutet, schauen wir uns gleich weiter unten an.


4 GRÜNDE FÜR UNSCHARFE KINDERFOTOS

1 // ES FEHLT LICHT

Jetzt haben wir so viel über Licht geredet, dass es Dich bestimmt nicht wundert, dass fehlendes Licht die häufigste Ursache für unscharfe Kinderfotos ist. Was passiert ohne Licht? Das Foto bleibt schwarz. Was passiert bei zu wenig Licht? Das Foto wird unscharf. Warum ist das so?

Sagen wir mal, es ist ein dunkel-grauer Wintertag. Deine Kinder toben lachend auf dem Sofa, das sich neben einem Fenster befindet. Es kommt ein bisschen Tageslicht ins Zimmer, aber nicht viel. So eine Lichtsituation hatte ich letztens erst:

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Im Automatik-Modus wird Deine Kamera alles tun, um so viel wie möglich von dem wenigen vorhandenen Tageslicht im Zimmer “aufzusaugen” wie möglich. Das macht sie, indem sie

  1. einen hohen ISO-Wert,

  2. eine sehr langsame Verschlusszeit

  3. und eine große Blendenöffnung einstellt.

Diese 3 Komponenten machen ein scharfes, klares Kinderfoto nahezu unmöglich. Der hohe ISO-Wert macht das Foto “matschig” und pixelig, durch die zu langsame Verschlusszeit verwischen die schnellen Bewegungen der Kinder (dazu gleich mehr) und durch die große Blende ist es nahezu unmöglich zwei Kinder im Foto scharf zu bekommen.

Die Lösung

  1. Sorge dafür, dass Du für Dein Foto soviel Licht wie möglich hast. Am natürlichsten sehen Kinderbilder mit Tageslicht aus. Wenn es die Situation erlaubt, fotografiere in der Nähe eines Fensters oder Balkons, oder noch besser draussen.

  2. Fotografiere mit künstlichem Licht, egal ob Deckenlampen, Kerzen oder Lichterketten. Diese erzeugen zwar oft einen orangenen oder rötlichen Farbstich im Foto. Manchmal ist es aber besser, überhaupt ein scharfes Foto von einem wichtigen Moment zu haben, als gar keins. Den Farbstich kann man umgehen, indem man das Foto in Schwarzweiss aufnimmt und den Farbstich später in einem Bildbearbeitungsprogramm korrigiert.

  3. Fotografiere in Richtung des Lichteinfalls, also so, dass Du Dich zwischen der Lichtquelle (z.B. dem Fenster) und Deinem Kind befindest, so wie bei diesem Foto:

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Wenn Du keinen Einfluss auf das Licht hast, bleibt Dir nur noch eins: Weg vom Automatik-Modus! Wie, zeige ich Dir jetzt.

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2 // ZU LANGSAME VERSCHLUSSZEIT

… oder Dein Kind ist zu schnell.

Wenn Dein Kind hüpft, krabbelt, springt, rennt oder schaukelt, also sich (schnell) bewegt, brauchst Du eine schnelle Verschlusszeit. Die Lamellen im Objektiv müssen sich ruckzuck schließen, um die Bewegung Deines Kindes im Foto festzufrieren. Schließen sie sich zu langsam, verwischt die Bewegung und Dein Kinderbild wird unscharf.

Das kannst Du übrigens sogar hören. So weißt Du sofort, ob Dein Foto unscharf ist. Wie genau Du das hörst, erkläre ich Dir in diesem Fotokurs-Kapitel, das ich für Dich freigeschaltet habe. Dort kannst Du auch noch viel detaillierter nachlesen, was die Verschlusszeit mit dem Licht zu tun hat.

Die Lösung

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  1. Unschärfe kannst Du verhindern, indem Du selber die Verschlusszeit bestimmst und dies nicht mehr automatisch der Kamera überläßt. Dafür wählst Du den S-Modus bzw. T/Tv-Modus, der auch Zeitpriorität genannt wird. Das bedeutet, dass Du die Verschlusszeit manuell bestimmst und die Kamera automatisch die Blende dazu wählt. Je schneller die Bewegung Deines Kindes, desto schneller muss auch die Verschlusszeit sein.

    Die Verschlusszeit sollte nie unter 1/60 sec liegen, da sonst das Zittern Deiner Hand das Foto verwackelt. Mit 1/60 sec kannst Du aber nur scharfe Kinderbilder machen, wenn sich Dein Kind gar nicht bewegt. Wenn es sich relativ ruhig bewegt, nimmst Du am besten 1/200 sec. Wenn es aber auf dem Sofa hüpft und durch die Wohnung flitzt, brauchst Du 1/300 sec oder höher.

    Aber Achtung: Bei schnellen Bewegungen und wenig Licht ist es für die Kamera sehr schwer, richtig scharf zu stellen, daher möchte ich Dir lieber zu dieser Lösung raten:

  2. Ich weiß, es klingt absurd und ist nicht immer möglich, aber: Fotografiere Dein Kind in ruhigen Momenten! Wenn Du Dich nicht mit ISO, Blende und Zeit auskennst, ist es fast unmöglich bei schlechten Lichtverhältnissen scharfe Aufnahmen von Kindern in Bewegung zu machen. Das liegt nicht an Dir, sondern an den schwierigen Foto-Bedingungen. Damit Du nicht die Freude am Fotografieren verlierst, suche Dir ein leichteres Fotomotiv: Wie Dein Kind ein Buch liest oder in ein Spiel vertieft ist oder mit Papa auf der Couch kuschelt.

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Wenn Du Deine Kamera immer besser verstehst, wirst Du irgendwann auch die schwierigen Fotosituationen meistern. In meiner 6-teiligen Blogserie “Manuell fotografieren lernen” zeige ich Dir, wie das geht.


3 // ZU GROSSE BLENDE

Du weißt mittlerweile: Der Vollautomatik-Modus ist bei schlechten Lichtverhältnissen keine Option. Für Winterfotos drinnen nimmst Du am besten den S-Modus bzw. T/Tv-Modus. Wenn Du selber eine Verschlusszeit von 1/200 sec bestimmst, hat die Kamera nur noch 2 weitere Optionen, um ausreichend Licht für das Foto zu haben. Einen hohen ISO-Wert und eine sehr große Blende.

Warum ist das problematisch?

Weil es bei weit geöffneter Blende sehr schwierig ist, richtig scharf zu stellen. Je größer die Blendenöffnung, je weiter die Lamellen also auseinander sind, desto geringer ist die Schärfe im Foto. Dann werden nur die Wimpern scharf oder nur das Gesicht. Sobald sich Dein Kind aber bewegt und sich nicht mehr dort befindet, wo Du scharf gestellt hast, wird Dein Foto sofort unscharf.

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Dieses Foto unten habe ich mit weit geöffneter Blendenöffnung gemacht, weil im Schlafzimmer wenig Licht war. Das hat nur funktioniert, weil die Kinder für einen kurzen Moment ruhig nebeneinander gelegen haben. Hier siehst Du, dass nur die Haare der Kinder und die Hand des Baby scharf abgebildet sind. Alles davor und dahinter ist unscharf, befindet sich also nicht mehr im geringen Schärfebereich. Wäre der kleine Junge in dem Moment, in dem ich den Auslöser gedrückt habe, aufgesprungen, wäre er im Bild nicht mehr scharf gewesen.

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Jetzt denkst Du Dir vielleicht, dann sage ich der Kamera eben, dass sie eine kleinere Blendenöffnung nehmen soll, damit wir einen größeren Schärfebereich haben. Von der Blendenautomatik (A/Av-Modus), bei der Du die Blende und die Kamera automatisch die Verschlusszeit wählt, möchte ich Dir aber dringend abraten. Hier wird die Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen eine viel zu langsame Verschlusszeit wählen, sodass Du wieder ein unscharfes Foto hast.

Dir bleibt keine andere Wahl, als drinnen bei wenig Licht mit dem S-Modus bzw. T/Tv-Modus zu fotografieren.

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Die Lösung

  1. Du stellst im S-Modus bzw. T/Tv-Modus die Verschlusszeit auf 1/60 sec. Der Vorteil: Die Kamera wählt eine kleinere Blendenöffnung und Du hast einen größeren Schärfebereich im Foto. Der Nachteil: Dein Kind darf sich nicht bewegen, sonst wird es unscharf.

  2. Möchtest Du Dein Kind bei “normalen” Bewegungen fotografieren, nimmst Du 1/200 sec. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass am Ende ein scharfes Foto dabei ist, mache am besten so viele Fotos wie möglich. 70% der Fotos werden vielleicht unscharf, aber dann sind immerhin 30% brauchbare Aufnahmen dabei.

    Hier ist es ganz wichtig, dass Du möglichst viel Licht hast, sonst werden Deine Fotos zu dunkel!

  3. Habe realistische Erwartungen! Durch-die-Gegend-wirbelnde Kinder bei schlechten Lichtverhältnissen drinnen zu fotografieren (egal mit welcher Kamera), ist wie eine Weihnachtsgans zu braten, wenn Du den Ofen seit zehn Jahren nicht mehr benutzt hast. Das ist schwer, sehr schwer. Dass die Foto hier nix werden, liegt nicht an Dir, sondern an den schwierigen Rahmenbedingungen.


4 // DER ISO IST ZU HOCH

Je weniger Licht wir haben, desto höher muss die ISO-Zahl sein. Denn der ISO-Wert “hilft” der Kamera, Licht auf’s Foto zu bekommen. Wenn Du im Automatik-Modus fotografierst, kann es gut sein, dass Deine Kamera drinnen an dunklen Wintertagen einen ISO-Wert von 2.000, 10.000 oder noch höher einstellt.

Bei diesen Werten kann kein scharfes Foto entstehen.

Denn je höher der ISO-Wert, desto mehr Pixel bzw. Rauschen erscheint im Bild. Diese lassen das Foto “matschig” aussehen, also leicht verschwommen. Eine gestochen scharfe Aufnahme bekommt man nur man sehr niedrigen ISO-Werten.

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Die Lösung

Stelle den ISO-Wert auf jeden Fall manuell ein und überlasse das nicht der Kamera! Im Menü kannst Du für Innenaufnahmen ISO 800 bzw. ISO 1000 einstellen. Höher solltest Du nicht gehen. Auch hier können die Fotos leicht pixelig aussehen, das ist normal. Rauschfreie Bilder bekommt man je nach Kameramodell nur bei ISO 100 bis 400. Diese ISO-Werte kann man aber nur bei viel Tageslicht draussen verwenden.

Wie Du den ISO manuell an Deiner Kamera einstellst, kannst Du hier nachlesen: {Teil 2} Blogserie Manuell fotografieren - ISO und Licht

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Nie wieder unscharfe Kinderfotos!

Im Sommer macht es richtig Spaß, draussen bei viel Licht und warmen Temperaturen zu fotografieren. Aber im dunklen Winter merkt man als Foto-Anfänger schnell, dass man im Automatik-Modus an seine Grenzen kommt. Damit Dir der Spaß am Fotografieren nicht abhanden kommt, möchte ich Dir sehr ans Herz legen, Dich ein bisschen mit Deiner Kamera zu beschäftigen.

In meiner 6-teiligen Blogserie “Manuell fotografieren lernen” zeige ich Dir Schritt für Schritt leicht verständlich, wie Du mit Deiner Kamera schöne Kinderbilder im Familienalltag machst. Und wenn Du noch tiefer einsteigen möchtest, dann ist mein Online-Fotokurs für Eltern, der am 8. Januar 2019 startet, das Richtige für Dich!


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Über Leni Moretti

Ich bin seit 2013 Familienfotografin mit ganzem Herzen und fotografiere Familien mit Babys und kleinen Kindern in entspannter Atmosphäre in ihrem eigenen Zuhause. In meinem Online-Fotokurs für Eltern zeige ich Dir, wie Du selber mit Deiner Kamera fantastische Kinderfotos im Familienalltag machst. Damit Deine Fotos endlich das zeigen, was Du siehst und fühlst.

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