5 Tipps, wie Du in Wohnungen mit wenig Licht helle Familienfotos machst

1/200 sec, f/4.5, ISO 1250 (Nikkor 35mm/1.8)

1/200 sec, f/4.5, ISO 1250 (Nikkor 35mm/1.8)

Vor kurzem schrieb mir eine Familienfotografin, "Sag mal, hast Du immer so ein Glück, tageslichthelle Wohnungen zu erwischen? Man sieht ja kein Rauschen durch erhöhte ISO, daher muss es ja immer hell sein ... oder wie machst Du das? Ich hab immer Bammel, wenn es um Shootings zu Hause geht... weil ich nie weiß, wie hell es ist. Und alles in der Nähe vom Fenster zu arrangieren, geht auch nicht immer. Welches Objektiv nutzt Du denn für Familienreportagen in der Wohnung?"

Da ich diese Frage schon öfter bekommen habe, dachte ich, das wäre doch ein gutes Thema für einen Blog-Artikel!

Es wäre natürlich ein Traum, immer in Wohnungen mit großen Fenstern und viel Tageslicht oder sogar Sonnenschein zu fotografieren. Aber die Lichtsituationen, die man bei Familienreportagen vorfindet, sind so unterschiedlich, wie die Familien selbst. Solange die Sonne scheint oder nur wenige Wolken am Himmel sind, mache ich mir keine Sorgen. Dann kann ich auch in einer Erdgeschossbude in einem Berliner Hinterhof schöne Familienfotos machen. An grauen Wintertagen mit dicker Wolkendecke bekomme ich aber auch ein bisschen Muffensausen, wenn wir uns für Familienfotos drinnen verabredet haben. Aber nichts ist unmöglich!

Hier sind 5 Tipps für Fotografen, wie man bei Homestorys auch in den dunkelsten Wohnungen gut belichtete Familienfotos bekommt. 

 

1. Natürliches Licht

familienfotografie-leni-moretti

Vor dem Familienshooting telefoniere ich mit jeder Familie und sage ihnen, dass wir die Fotos dort machen, wo das meiste Tageslicht ist, da ich nicht mit Blitzen oder Reflektoren arbeite. In der Regel verabreden wir uns zu einer Tageszeit, zu der die Wohnung am hellsten ist oder sogar die Sonne hereinscheint. 

Wenn ich zu der Familie nach Hause komme, lasse ich mir erstmal die ganze Wohnung zeigen, um zu schauen, wo wir das beste Licht haben. Das ist meistens das Wohnzimmer oder Schlafzimmer. Bei unserem kleinen Rundgang bitte ich die Familie alle Lampen auszumachen. Dann schauen viele erstmal verduzt, aber mir ist das natürliche Tageslicht - auch wenn es wenig davon geben sollte - auf jeden Fall lieber als Kunstlicht. Hier gibt es natürlich Ausnahmen. Wenn ich die Kinder abends in der Badewanne fotografiere, mache ich schon das Licht an. ; ) 

Da meine wichtigste Lichtquelle das Tageslicht von draussen ist, entstehen 90% meiner Fotos in unmittelbarer Nähe von einem Fenster. Oft befindet sich ja ein Bett, Sofa oder Sessel in der Nähe eines Fensters und das wird dann der Mittelpunkt des Familienshootings.

1/200 sec, f/1.6, ISO 800 (Nikkor 50 mm/1.4)

1/200 sec, f/1.6, ISO 800 (Nikkor 50 mm/1.4)

Meistens fotografiere ich in Richtung des Lichteinfalls oder mit Seitenlicht. Ab und zu finde ich Gegenlicht aber auch ganz schön, zum Beispiel für stimmungsvolle Silhouetten-Fotos mit natürlichem Licht:

Linkes Bild: 1/160 sec, f/2.5, ISO 1250; Rechtes Bild: 1/160 sec, f/3.2, ISO 500 (Nikkor 35 mm/1.8)

Linkes Bild: 1/160 sec, f/2.5, ISO 1250; Rechtes Bild: 1/160 sec, f/3.2, ISO 500 (Nikkor 35 mm/1.8)

 

2. Offene Blende, kurze Verschlusszeit

 

Das Schöne ist ja, das man mit der Technik von heute auch die schwierigsten Lichtsituationen meistern kann. Ich fotografiere Familienreportagen mit der Nikon D800 und zwei lichtstarken Festbrennweiten: Nikkor 35 mm/1.8 und Nikkor 50 mm/1.4. Für mich ist das die perfekte Ausrüstung bei schwachem Licht. Und aus Erfahrung kann ich sagen, es macht einen Unterschied, ob man ein  Objektiv mit Lichtstärke 1:1.4 oder 1:1.8 vor die Kamera schraubt. Fast eine ganze zusätzliche Blendenstufe ist bei Innenaufnahmen Gold wert. 

Die meisten Aufnahmen (außer Gruppenportraits) bei Homestorys mache ich mit offener Blende, so wie dieses Kinderportrait. Das hat als schönen Nebeneffekt eine wunderbare Schärfentiefe.  

1/160 sec, f/1.8, ISO 1000 (Nikkor 50 mm/1.4)

1/160 sec, f/1.8, ISO 1000 (Nikkor 50 mm/1.4)

Je nach Situation gehe ich soweit wie möglich mit der Verschlusszeit runter, um noch mehr Licht in die Kamera zu lassen. Wenn ich den Arm abstützen kann und sich die Person nicht stark bewegt, gehe ich bis 1/50 sec, bei Bewegungsfotos bis 1/250 sec und allen anderen Aufnahmen in der Regel bis 1/160 sec.

Linkes Bild: 1/125 sec, f/2.2, ISO 1250; Rechtes Bild: 1/80 sec, f/2.2, ISO 1000 (Nikkor 35 mm/1.8)

Linkes Bild: 1/125 sec, f/2.2, ISO 1250; Rechtes Bild: 1/80 sec, f/2.2, ISO 1000 (Nikkor 35 mm/1.8)

3. ISO hochschrauben

 

Bei Innenaufnahmen gehe ich mit dem ISO bis maximal 2500, das ist einfach eine persönliche Präferenz. Ich könnte mit der Nikon D800 locker bis ISO 6500 fotografieren und kenne auch einige Kollegen, die das tun. Mir ist bei sehr hohen ISO-Werten aber einfach das Rauschen zu deutlich. Tendenziell versuche ich, unter ISO 1600 zu bleiben und das mit der offenen Blende und kurzen Verschlusszeit zu kompensieren. 

1/60 sec, f/3.5, ISO 1600 (Nikkor 35 mm/1.8)

1/60 sec, f/3.5, ISO 1600 (Nikkor 35 mm/1.8)

4. Unterbelichten

 

Wenn ich bei einer Familienreportage bei den manuellen Kameraeinstellungen an mein persönliches Limit gegangen bin (1/50 sec, f/1.8, ISO 1600) und das Licht in der jeweiligen Situation immer noch nicht ausreicht, mache ich trotzdem das Foto. Auch wenn es stark unterbelichtet sein sollte. Sehr viele meiner Familienfotos in Wohnungen sind unterbelichtet, was mir aber keine Sorgen macht, weil ich das in der Nachbearbeitung am Computer wieder rausholen kann. 

 

5. Nachbearbeitung

 

Die Nachbearbeitung der Fotos in Lightroom und Photoshop hat einen großen Anteil daran, dass meine Familienreportagen trotz häufig schlechter Lichtverhältnisse so schön klar und hell aussehen. Ich ziehe bei fast jeder Aufnahme in der Nachbearbeitung die Belichtung hoch und reduziere das Rauschen bei den Fotos, die ich mit einem hohen ISO-Wert aufgenommen habe. Klar könnte ich auch Softboxen, Reflektoren und Blitzgeräte mit zum Familienshooting nehmen, aber da wären viele emotionale, intime Momente schnell dahin, wenn ich erst noch das Equipment aufbauen muss oder der Familie ins Gesicht blitze. Für meine Art der Familienfotografie mit natürlichem Licht haben sich diese fünf Punkte in den letzten Jahren bewährt und ich hoffe, dass Ihr etwas davon für Euch mitnehmen könnt. 

1/320 sec, f/2.5, ISO 800 (Nikkor 35 mm/1.8)

1/320 sec, f/2.5, ISO 800 (Nikkor 35 mm/1.8)

Nochmal zusammengefasst, um auf die Frage am Anfang einzugehen: "Nein, ich habe nicht immer das Glück, in lichtdurchfluteten Wohnungen zu fotografieren. Es ist tatsächlich ganz schön oft ganz schön duster. Ich arrangiere die Familien meistens in der Nähe eines Fensters, wo wir das meiste Licht haben. Und fotografiere dann mit großer Blende, kurzer Verschlusszeit und bis ISO 1600. Viele meiner Fotos sind bei Homestorys unterbelichtet, aber das korrigiere ich dann einfach bei der Nachbearbeitung in Lightroom/Photoshop. Hier reduziere ich übrigens auch das Rauschen durch erhöhte ISO. Für Familienreportagen in der Wohnung nehme ich ausschließlich Festbrennweiten (35 mm, 50 mm) von Nikon."

Ich hoffe, dass Euch diese Tipps bei Eurem nächsten Familienshooting weiterhelfen! Wenn Ihr weitere Fragen habt, schreibt mir diese gerne in den Kommentaren unter diesem Artikel.